Ich wollte mir nicht anmerken lassen, dass es die erste Zigarette war. Aber mir wurde ganz schwindelig, fast wie beim Schaukeln. Und wie man eben ist, so mit 13, habe ich nicht gedacht: "Wie bescheuert ist das denn?" sondern, natürlich: "Interessant. Gleich noch mal!"
Also fing ich an zu rauchen, obwohl ich wusste, dass es gesundheitlich nicht die allerbeste Entscheidung ist. Und teuer war es auch. Das besonders Absurde daran ist: Bevor ich anfing zu rauchen, fand ich es eklig. Meine Schwester ist dreieinhalb Jahre älter als ich und hatte schon vor mir mit dem Rauchen begonnen. Ich nahm ihr damals sogar die Zigaretten weg und zerbrach sie. Ich mochte den Geruch nicht. Und was, wenn meine Schwester Lungenkrebs bekommt?
Diese Antipathie Zigaretten gegenüber hielt leider nur bis zu jenem Sommer. Und auch wenn von der Romantik der großen, weiten Welt wenig zu spüren war, wenn man sich immer konzentrieren musste, nicht laut loszuhusten, zog ich es durch. Meine Schwester hat mich später oft daran erinnert. Ausgerechnet ich, die früher ihre Zigaretten zerstört hatte, rauchte irgendwann selbst. Und ziemlich schnell sogar sehr viel mehr als sie. So funktioniert Sucht manchmal. Erst steht man daneben und denkt: Wie kann man nur? Und ein paar Jahre später sitzt man selbst mittendrin. Und die, die dann daneben sitzen, nerven nur - und gehören nicht dazu oder verstehen einen nicht. Man suggeriert sich also zunehmend, auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Aus Ekel wurde Gewohnheit. Aus Gewohnheit wurde Sucht.
Rauchen war für mich nicht nur Rauchen
Ich sah früher eher brav aus, keine auffälligen Klamotten, keine extravaganten Frisuren oder viel Make-Up. Das passte nicht zu mir. Ich saß in der Schule in der letzten Reihe. Ich tarnte mich. Im Mittelpunkt wollte ich nicht stehen. Ich war zurückhaltend, zumindest wenn ich mich nicht sicher fühlte. Und ich fühlte mich oft nicht sicher. Rauchen gab mir eine andere Rolle. Ich habe nicht angefangen, weil ich cool wirken wollte. Aber mit der Zeit habe ich mich durch das Rauchen cooler gefühlt. Ein bisschen verruchter und ein bisschen weniger angepasst. Es war ein unerwarteter Nebeneffekt. Aber einer, der mir gefiel. Eine Attitüde, die mich aus dem Schatten der Unscheinbarkeit zog, in die ich mich selbst manchmal freiwillig hüllte.Rauchen war in meinem Umfeld fast normal. Alle machten das. Ich rauchte mit 14 Schwarzer Krauser und drehte meine Zigaretten selbst. Heute klingt das fast absurd, damals war es mein Alltag. Es war eine andere Zeit. Früher war nicht alles besser.
Ich wäre gerne dieses Mädchen gewesen, das nur auf Partys raucht. Diese angeblich entspannte Gelegenheitsraucherin, die sich ab und zu eine Zigarette nimmt, dabei interessant aussieht und danach drei Wochen nicht mehr daran denkt.
War ich aber nicht. Ich war süchtig.
Am Ende rauchte ich mehr als eine Schachtel am Tag. Morgens als Erstes, manchmal nachts. Beim Warten auf den Bus. Nach dem Essen. Zwischen Arbeitsblöcken. Ich teilte meine Arbeit ein in: Jetzt mache ich das noch fertig, dann darf ich eine Zigarette rauchen.
Rauchen war Pause. Belohnung. Ritual. Entspannung. Aber vor allem war es Sucht.
Der Satz, der bei mir alles verändert hat: „Wenn du früher stirbst, weil du rauchst, leiden wir darunter.“
Der entscheidende Impuls zum Aufhören kam durch Alex. Er ist Nichtraucher und machte mir irgendwann sehr klar, dass Rauchen nicht nur mich betrifft. Dabei war das berühmte Passivrauchen gar nicht sein Hauptargument.Alles roch nach Rauch. Meine Kleidung. Meine Haare. Meine Hände. Ich selbst. Küssen schmeckte nicht besonders gut, auch wenn man sich das als Raucherin natürlich gerne schönredet. Man kuschelt nicht mit einem Aschenbecher. Es ist also auch nichts Verwegenes daran, mit einer Raucherin zu knutschen. Raucher schmecken nicht nach Freiheit, sie schmecken nach der Tristesse einer viel zu langen Nacht. Außerdem hatten wir damals schon Tiere. Alex sagte sinngemäß: Wenn du früher stirbst, weil du rauchst, leiden wir darunter. Dein Umfeld. Die, die dich lieben. Die, die Du liebst. Das hat mich getroffen. Nicht als moralische Keule. Eher als Wahrheit, die ich bis dahin erfolgreich ignoriert hatte.
Zum ersten Mal dachte ich nicht bloß: Ist doch egal, ich gefährde ja nur meine Gesundheit. Sondern: Ich gefährde auch gemeinsame Zeit. Zeit mit Menschen und Tieren, die mich lieben. Und die nichts dafür können, dass ich süchtig bin.
Dazu kam das Geld. Wer ungefähr eine Schachtel am Tag raucht, gibt bei etwa 8,50 Euro pro Schachtel mehr als 3.000 Euro im Jahr aus. In zehn Jahren sind das rund 30.000 Euro. Das ist nicht einfach ein bisschen Geld. Das ist eine perfekt ausgestattete Küche. Ein neues Auto. Viele Reisen. Sehr viele gute Schuhe. Oder einfach: sehr viel Leben, das in Rauch aufgeht. All das für etwas, das mich nicht freier gemacht hat, sondern abhängiger.
Es ist wie ein Ratenkredit auf etwas, das einem am Ende nichts schenkt, sondern immer mehr nimmt.
Aufhören war nicht schön
Ich hatte vor meinem endgültigen Rauchstopp schon mehrere Versuche hinter mir. Einmal schaffte ich es mit einem Nichtraucher-Buch ein paar Monate, fing dann aber wieder an. Richtig langfristig aufgehört habe ich mit 22 oder 23, nach 10 Jahren Abhängigkeit. Das ist jetzt ungefähr 13 Jahre her.Damals half mir vor allem ein psychologischer Trick: Ich musste das Gefühl vermeiden, mir werde etwas endgültig weggenommen. Ich hatte deshalb eine absurde Art Sicherheitsanker: eine Packung nikotinfreie Kräuterzigaretten, die so furchtbar rochen und schmeckten, dass ich sie kaum rauchen wollte. Aber allein zu wissen, dass sie da waren, beruhigte mein suchendes Gehirn. Ich musste nicht panisch werden. Ich hatte eine Strategie. Heute würde ich sagen: Ich habe nicht einfach „aufgehört“, ich habe mein eigenes Suchtsystem ausgetrickst.
Die ersten Tage waren trotzdem brutal. Ich kannte mich, deshalb gab ich Alex mein ganzes Geld, meine Kreditkarten, meine Bankkarte, alles. Ich wollte verhindern, dass ich mir Zigaretten kaufen kann. Meine Schachtel rauchte ich vorher leer.

Ich blieb zu Hause, isolierte mich fast, machte den Laden dicht. Ich war gereizt, sensibel, schlecht gelaunt und fühlte mich wahnsinnig allein. Zwischendurch flehte ich Alex an, mir mein Geld zurückzugeben. Wie eine Süchtige eben. Denn genau das war ich. Zum Glück gab er mir weder Geld noch Zigaretten. Er hielt das aus. Und ich hielt es irgendwie auch aus.
Ich nahm nach dem Rauchstopp ungefähr acht Kilo zu. Mit Mühe nahm ich später einen Teil wieder ab, aber ein paar Kilo mehr blieben lange. Auch das gehört zur Wahrheit. Aufhören war für mich kein strahlender Gesundheitsmoment in weißer Bluse. Kein Engel stieg strahlend aus einer goldenen Zukunft zu mir herab, küsste mich wach und öffnete mir die Tore zu einer freudigen Zukunft ohne Rauch. Es war anstrengend, körperlich, psychisch, manchmal hässlich und sehr real.
Aber ich würde es wieder tun. Immer.
Ich nahm nach dem Rauchstopp ungefähr acht Kilo zu. Mit Mühe nahm ich später einen Teil wieder ab, aber ein paar Kilo mehr blieben lange. Auch das gehört zur Wahrheit. Aufhören war für mich kein strahlender Gesundheitsmoment in weißer Bluse. Kein Engel stieg strahlend aus einer goldenen Zukunft zu mir herab, küsste mich wach und öffnete mir die Tore zu einer freudigen Zukunft ohne Rauch. Es war anstrengend, körperlich, psychisch, manchmal hässlich und sehr real.
Aber ich würde es wieder tun. Immer.
Sucht ist nicht nur Willenskraft
Einer der größten Irrtümer beim Thema Rauchen ist dieser Satz: Dann hör halt auf.Als wäre es eine Frage von Disziplin. Wäre es so einfach, würden viel mehr Menschen einfach aufhören. Nur etwa 3 bis 5 Prozent der Rauchstoppversuche ohne Unterstützung sind erfolgreich. Viele brauchen viele Anläufe, bis es wirklich klappt. Aber ein gescheiterter Versuch bedeutet nicht, dass man schwach ist. Er bedeutet vor allem, dass Sucht stark ist.
Rauchen aufzuhören, bedeutet nicht nur, keine Zigarette mehr anzuzünden. Es bedeutet, einen ganzen Alltag umzubauen: Die Zigarette nach dem Essen. Die Zigarette beim Warten. Die Zigarette als Pause. Als Belohnung. Als Ausrede, kurz rauszugehen. Als Teil eines Selbstbildes.
Man gibt nicht nur Nikotin auf. Man gibt Rituale auf, Gewohnheiten, kleine Fluchten. Und manchmal sogar eine Version von sich selbst. Ausgerechnet eine zumeist, die in schöneren Farben gemalt war als viele andere Versionen. Aber das war sie: gemalt. Nur ein Trugbild. Ein Kunstwerk ohne Tiefgang. Nicht real.
Wenn ich heute auf meinen Rauchstopp zurückblicke, sehe ich vor allem: Ich habe damals nicht einfach aufgehört. Ich habe mir ein kleines, ziemlich improvisiertes System gebaut, damit ich die ersten Tage überhaupt aushalte. Kein Geld, keine Zigaretten, möglichst wenig Gelegenheit. Ein Sicherheitsanker für den Kopf.
Genau das hätte ich damals gern professioneller gehabt: Unterstützung für die kritischen Momente. Nicht nur den guten Vorsatz am Morgen, sondern konkrete Strategien am Nachmittag, wenn der Schmachter laut wird und der Kopf anfängt zu verhandeln.
Was Smoke Free macht
Heute gibt es solche Unterstützung. Smoke Free ist eine App auf Rezept, die beim Rauchstopp begleiten kann. Sie kann ärztlich oder psychotherapeutisch verschrieben werden, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten.Was mir daran gefällt: Die App setzt nicht auf den einen großen Vorsatz, sondern begleitet den Alltag. Es gibt einen Rauchstopp Chatbot, der rund um die Uhr verfügbar ist, tägliche Aufgaben und eine Tagebuchfunktion, um Muster und Auslöser besser zu erkennen, eine Community aus Menschen, die gerade dasselbe versuchen, und Tools für akute Momente, wenn der Schmachter laut wird.
Außerdem zeigt Smoke Free Fortschritte: was sich körperlich verändert, wie viel Geld man spart und was man schon geschafft hat. Gerade am Anfang, wenn man vor allem spürt, was fehlt, kann das helfen.
Der Zugang läuft über ein Rezept: Arzt ansprechen, Rezept einreichen, Code erhalten, App herunterladen und mit dem Code aktivieren. Die Rezeptversion läuft 90 Tage; danach gibt es eine Basisversion, und wer noch mehr Zeit braucht, kann mit seinem Arzt oder seiner Ärztin über ein Folgerezept sprechen.
Aufzuhören ist erstmal hart. Aber süchtig zu bleiben, kostet: Gesundheit, Geld, Freiheit und manchmal gemeinsame Zeit.
Ich hab’s damals geschafft, weil ich Hilfe hatte. Und du kannst dir jetzt auch Hilfe holen.
Den Link zu Smoke Free und weitere Informationen zur App auf Rezept findest du hier.
- Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Smoke Free erstellt –
















