Luxus-Klassenfahrt nach Paris: Die Fashion Week versucht Politik

Sonntag, Oktober 08, 2017


Die Fashion Week in Paris gilt als Höhepunkt des Modejahres. Unsere Autorin Marie von den Benken liebt die Atmosphäre dort und berichtet von deutlich politischeren Zeiten in der Fashionbranche.

Regen prasselt vor die bodentiefen Fenster des Hotelzimmers. Das flackernde Licht eines Alexander McQueen Flagship Stores im Haus gegenüber und eine verschlissene Chanel-Tüte, die vom Herbstwind die Rue Saint Honoré hoch getrieben wird, ist das einzige, das noch ein wenig an Haute Couture erinnert. Der Fashion-Zirkus hat Paris wieder verlassen, eine neue Saison ist abgeschlossen. Die Stadt gehört wieder den japanischen Touristen mit ihren zu großen Hermès- und Louis-Vuitton-Tüten und den Selfie-Mädchen an den Instagram-Hotspots der Stadt.

Als die Spring/Summer Saison 2018 im Juli mit der Fashion Week in Berlin begann, gab es spektakuläre neue Entwürfe von Marina Hoermanseder oder Steinrohner. Traditionell zog der Tross der Designer, Models, Fashion-Journalisten, Blogger, Influencer und Einkäufer dann weiter über London, Mailand und New York, um im Herbst in Paris seinen modischen Höhepunkt zu erleben. Erst dann nämlich greifen die Häuser in die PR- und Marketing-Folklore ein, die mittlerweile um die Fashion Week gemacht wird, die junge Mädchen auf der ganzen Welt sehnsuchtsvoll mit dem Eiffelturm und eleganten Abendkleidern verbinden: Chanel, Dior, Balmain, Saint Laurent, Givenchy oder Chloé. So endet der Mode-Tsunami stets zwischen dem Arc de Triomphe und dem Place de la Bastille, nachdem er seine Schneise erst durch die Modemetropolen Europas und dann durch die Scheckbücher russischer Milliardärs-Gattinnen gezogen hat.


Fotocredits: © Picture Alliance

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