The Mallorca Diaries – Episode 1: Ballermannbomber

Montag, Juli 25, 2016



Zurück in die Zukunft: Die Reise-Trilogie is back!

Nach den sensationellen Erfolgen von AIDA, AIDA II und AIDA III ist sie zurück! Das gigantische Kolumnen-Spektakel auf Eurem Reiseportal Nummer 1! Von den Machern von "Seid Ihr jetzt ein Reiseblog? Ich bin weg!", "Wer ist die Tante?" und "Mich habt Ihr hier zum letzten mal gesehen!" startet heute exklusiv ein Insider-Tatsachenbericht in die Abgründe eines Sommers auf Mallorca.

Mein Flieger von Köln nach Palma de Mallorca geht Mittwochmorgens um 9:55 Uhr. Die ersten „Ausziehen! Ausziehen!“ Schlachtrufe einer Sechsergruppe partywütiger Jünglinge mit lustigen Bushido-Ghetto-Frisuren und Jérôme Boateng Gedächtnishosen ertönen bereits auf dem Rollfeld.

Die akkurat blondierten Flugbegleiterinnen der Germanwings haben nicht mal ihre Instruktionen beendet, wie man sich verhalten soll, wenn das Flugzeug mal versehentlich notwassern sollte, da haben die sechs Hauptverantwortlichen für die Ergebnisse der PISA-Studie bereits jeweils dreimal „Scheiss drauf, Mallorca ist nur einmal im Jahr“ und „Ab in den Süden … der Sonne hinterher!“ durchgesungen. Also, zumindest den Refrain, mehr von dem – nennen wir es mal wohlwollend – Text hatten sie so ganz ohne Karaoke-App nicht parat, und die Handys mussten ja in den Flugmodus versetzt werden.

Boarding Completed

In den Reihen davor macht sich bei einer Reisegruppe Ü65 aus dem Rheinland bereits erste Panik breit. Würde das autorisierte Bordpersonal der Rummeltruppe aus dem Bergischen gestatten, während des gesamten Flugs ihre Kehlen wund zu singen? Songs, in denen Vokabeln wie „Scheiße“ vorkommen, sind bei dieser Klientel nicht sonderlich en vogue. Man spürt förmlich, wie die rüstigen Rentner hier im Sangria-Eimer-Bomber nach Palma ein gepflegtes „Fiesta Mexicana“ oder wenigstens ein „Marmor, Stein und Eisen bricht“ herbeisehnen.
Aber vergeblich. Das einzige, das bricht, bin ich: Neben mir auf 22B setzt sich zielsicher ein offensichtlich allein reisender Mittvierziger, der zu seinen orangenen Shorts ein neongrünes Shirt mit der Aufschrift „Hol mir mal ein Bier, Du wirst schon wieder hässlich“ kombiniert, aus seinem Brustbeutel eifrig zwei Pilsdosen auf den Tisch vor sich platziert und riecht, als hätte er in der Parfumabteilung des KaDeWe den Inhalt jedes verfügbaren Probeflakons inhaliert. An dieser Stelle ein kurzer Gruß an das Bodenpersonal von Germanwings: Genau mein Humor!

Bitte beachten Sie, dass alle Germanwings-Flüge Nichtraucherflüge sind

Ich versuche, mich mit Kopfhörern gegen das aktuell intonierte „Du machst alle Männer schwach, meine Kleine, schuld daran sind Deine endlos langen Beine“ zu wehren und simuliere einen Kälteanfall, um mich mit meiner wie einen Schal um den halben Kopf gewickelten Jacke vor den Parfum-Extasen meines Nebenmannes zu schützen.
Die Stewardess wirkt genervt, weil ich als Veganerin weder ihr Schinken- noch ihr Käsesandwich probieren möchte und auch die Damen vor mir (zwei Freundinnen aus Lindlar, die auf Mallorca gemeinsam ihre praktisch parallel vollzogenen Scheidungen feiern möchten, wie später das halbe Flugzeug wird erfahren dürfen) schauen mich mit einem Gesichtsausdruck an, der vermutlich „ist die bescheuert, ist doch im Preis mit drin“ bedeuten soll. In Lindlar lässt man nichts anbrennen und so bestellen sie um 10:20 Uhr, kurz nachdem das Flugzeug seine optimale Flughöhe erreicht hat, zwei Pikkolo. Prost.

Rollfeld Randale

Die schönsten 10 Minuten einer Flugreise sind immer die letzten. Die, wenn der Flieger bereits gelandet ist und sich die besonders eiligen Zeitgenossen gazellenartig aus ihren Sitzen schwingen, um als erster die Gepäckklappen zu öffnen, sich mit 50 anderen dichtgedrängt im Gang zwischen die übergewichtigen Leiber zu quetschen. „Seelen aneinander reiben“ würde Hartmut Engler von „Pur“ das wohl nennen. Lange bevor das Flugzeug seine endgültige Parkposition eingenommen hat renken sie sich dann beinahe die Schultern aus, um in diesem dichten Gedränge an ihr Handy zu gelangen, das sie natürlich bei der ersten Bodenberührung der Maschine sofort eingeschaltet haben.
Erreichbarkeit ist wichtig. Und den Damen und Herren aus der Ballermann-Fraktion geht es nicht mal um schicke Rollfeld-Selfies. Nein. Es geht darum, direkt nach der Landung nacheinander alle verfügbaren Tanten, Onkels und Nachbarn anzurufen, um zu verkünden, dass man sicher gelandet ist: „Nee, sind noch im Flieger, aber schon gelandet. War super Flug, ich ruf dann an, wenn ich gleich im Hotel bin“.
„Gleich im Hotel“ heißt auf Mallorca bei Pauschaltouristen übrigens zumeist: 3 Stunden im Flughafen in nicht klimatisierten Bussen warten, bis alle Urlauber aus 25 Maschinen eingesammelt sind, um dann weitere 3 Stunden alle All Inclusive Hotels der Strandpromenaden abzuklappern, bis das eigene dabei ist. Dann werden schnell die Koffer aus dem Bus geworfen und der Jahresurlaub kann beginnen.

Bikini und Kleid: Calzedonia

Ich bin die Königin von Mallorca

Kaum im Taxi, ertönt „La Camisa Negra“ aus dem Radio. Ich glaube, ich bin noch nie auf Mallorca in ein Taxi gestiegen, ohne dass dieser Song lief. Vermutlich gibt es einen Radiosender auf der Insel, der den ganzen Tag nonstop diesen Song spielt, damit Taxifahrer deutsche Touristen mit einem bekannten Lied empfangen können. Die fühlen sich dann gleich ein wenig zu Hause, weil ihre „die größten Hits der 90er und 2000er und das beste von heute“-Radiostationen, die sie daheim in Deutschland stets hören, um sich über die Witze der Morningshow-„Moderatoren“ vor Lachen einzunässen, die es acht Wochen vorher bereits bei Twitter zu lesen gab, den Song auch andauernd spielen.
Irgendwann fingen sie an, mit zu summen, und wenn sie später, noch euphorisiert von der Landung, die sie eifrig schon kurz bevor das Fahrwerk überhaupt die Landebahn berührt hatte, beklatscht haben, den Song als erstes im Taxi hören, fühlen sie sich gleich ein bisschen spanischer und irgendwie heimisch. Eine Win-Win-Situation.

Apropos Win-Win-Situation: Die ganze Wahrheit über
  • Das Oberbayern
  • Den Megapark
  • Helene Fischer Ultras
  • Strandmassagen
  • Alkoholpegel
  • One Night Stand willige Britinnen
lesen Sie bitte in Episode 2 meines investigativen Mallorca-Dokumentationsberichts.

Aber auch über die wirklich schönen Gegenden von Mallorca, an denen man garantiert keinem schon um 10 Uhr vormittags betrunkenen Kreisliga-Fußballer begegnet. Und über einige Orte und Menschen auf der Insel, die mein Herz ernsthaft höher schlagen lassen. Sie dürfen also gespannt sein.
Demnächst hier und auf ihrem Reiseportal MobileGeeks.

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